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Bilaterale Hemisphärenstimulation, wie zum Beispiel EMDR

Ende der achtziger Jahre entwickelte die amerikanische Psychotherapeutin Francine Shapiro eine außergewöhnliche Methode zur Behandlung von post­traumatischem Stress: EMDR. 1996 gab der SPIEGEL dann dieser auch in Deutschland neu eingeführten Methode den Namen Winke-Winke-Therapie. Man war fasziniert und alarmiert über die neue Idee aus Amerika, psychische Blockaden einfach wegwinken zu können. Tatsächlich spielen bei dieser Methode schnelle Fingerbewegungen vor den Augen des Klienten eine entscheidende Rolle. Der Klient folgt diesen Bewegungen mit seinem Blick. Die so erzielten raschen Augenbewegungen erinnern an die REM-Phasen, welche alle Menschen im natürlichen Schlaf zeigen: Rapid Eye Movement. EMDR steht für Eye Movement Desensitization and Reprocessing (Desensibilisierung und Neuintegration durch Augenbewegungen).

Natürlich kannte man schon vor EMDR therapeutische Stimulationstechniken über Augenbewegungen – allerdings nicht so rasch wie beim EMDR durchgeführt. In der Kinesiologie beispielsweise lässt man die Augen den Bewegungen einer liegenden Acht folgen, bekannt ist ebenfalls das Bild der pendelnden Taschenuhr bei der klassischen Hypnose. Auch beim Yoga – wohl eine der ältesten Körpertherapie­methoden der Welt – gibt es eine Reihe von Augenbewegungs­übungen. Sogar in traditionellen asiatischen Tänzen sind sich rasch hin- und herbewegende Augen ebenso wichtig und eingeübt wie Tanzschritte, was vielleicht neben der kulturellen auch eine gesundheitspflegende Bedeutung haben mag.
Immer mehr Experten vermuten, dass der positive Effekt dieser Stimulationstechniken durch die Bahnung einer optimalen Zusammenarbeit zwischen den beiden Gehirnhälften und somit aller Gehirnareale entsteht. Deswegen stimuliert man im EMDR nicht nur über die Augenbewegungen, sondern nutzt auch wie bei anderen Methoden die auditive und taktile links-rechts-Anregung der beiden Hemisphären. Dieses Vorgehen kommt bei­spielsweise ganz ausführlich in verschiedenen Richtungen der Kinesiologie zum tragen, man denke da nur an die speziellen Arm- und Beinbewegungen in der Edu-Kinestetik zur Verbesserung der Lernleistung.

Trotz der scheinbaren Einfachheit in der Anwendung zählt EMDR heute weltweit mit zu den effektivsten Psychotherapiemethoden bei posttraumatischem Belastungsstörungen und Phobien. Die vielfältigen guten Ergebnisse sprechen für die positive Wirkung von Ansätzen zielgerichteter bilateraler Hemisphärenstimulation in Therapie und Coaching. Die Zeitschrift Geo schreibt in ihrer Mai-Ausgabe 2002: Inzwischen ist EMDR die am gründlichsten untersuchte Trauma-Therapie.